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FÜNF  SCHRITTE  ZUR  HEILUNG  DER  ABTREIBUNGSWUNDEN




Erster Schritt

Die Frau sagt ja zu ihrem Schmerz. Statt jedes Mal dann, wenn die Schmerzen kommen, das Unangenehme sogleich zu betäuben, hat die Frau den Mut, den Schmerz zuzulassen und anzunehmen. Sie gibt zu: Ja, mir geht es schlecht. Vielleicht dauert es lange, bis sie schließlich den wachsenden Mut findet, die Verbindungslinie zu ziehen: Der Schmerz hat mit meiner Abtreibung zu tun.

 

Zweiter Schritt

Die Frau nennt das Vergangene beim Namen: Ein Kind, und zwar ihr Kind, wurde durch die Abtreibung getötet. Kein Zellhaufen wurde entfernt, kein unbestimmtes Etwas wurde wegoperiert und keine Schwangerschaft unterbrochen. Es kann sein, dass die Frau in der neunten Schwangerschaftswoche abgetrieben hat und dass die Behauptung ihrer Umgebung, in diesem Stadium der Schwangerschaft sei der Embryo noch kein Mensch, für sie ausschlaggebend war, der Abtreibung zuzustimmen. Jetzt wird dieselbe Frau wahrnehmen, dass sie einer Lüge aufgesessen ist. Ihr gehen im buchstäblichen Sinne die Augen auf: Sie konfrontiert sich mit der Wahrheit: Ein Kind, und zwar ihr Kind, wurde durch die Abtreibung getötet.

 

Dritter Schritt

Die Frau gesteht ihre Schuld. Durch die Zustimmung zur Abtreibung hat sie die Zustimmung zur Tötung des eigenen Kindes gegeben und damit schwere Schuld auf sich geladen. Die verdrängte Schuld, die projizierte Schuld oder die gerechtfertigte Schuld macht krank, früher oder später. Die betroffene Frau zu beschwichtigen, indem man ihr die Schuld als auszureden sucht, ist nicht freundlich, sondern brutal. Es hilft gleichfalls nicht aus der Krise, wenn die Schuld der Frau dadurch geleugnet wird, dass man ihr zu verstehen gibt, sie sei im Grunde unschuldig, da in ihrer ausweglosen Situation jeder genauso gehandelt hätte wie sie. Die betroffene Frau weiß nach der Abtreibung –

  • erstens, dass sie nicht unschuldig ist,
  • zweitens, dass die damalige Ausweglosigkeit keine absolute war.
  • Zum dritten bewirkt der aufbrechende Heilungsprozeß, dass sich die Frau der Wahrheit stellt, die tatsächlich absolut ist: Das Leben ist unverfügbar, unantastbar. Nur der Schöpfer des Lebens, Gott, hat das Recht, ins Leben zu rufen und aus dem Leben zu rufen.

 

   Mag sein, daß die Frau in ihrer Entscheidung zur Abtreibung unter starkem Druck stand. Vielleicht hätte sie von sich heraus ja zum Kind gesagt, wenn nicht ihr Ehemann sie zur Abtreibung genötigt hätte, vielleicht hat sie nur wegen der unverhohlenen Drohung ihres Partners widerwillig der Abtreibung zugestimmt. Wie immer es sich verhalten haben mag und wie groß auch immer der tatsächliche Anteil der Frau am schuldhaften Geschehen gewesen ist – in dieser Phase des Heilungsprozesses ist es unverzichtbar, daß die Frau ihren realen Anteil an Schuld wahrnimmt und bekennt.

 

   Sicher ist dieser Schritt kein einfacher. Aber wenn die Frau ehrlich vorangeht, wird sie merken: Der Schmerz der Erkenntnis ist heilsam. Die Wunden, die die Abtreibung geschlagen hat, werden gereinigt. Das Geschwür platzt, der Eiter kann abfließen. Wird die Wundsäuberung hinausgeschoben oder verweigert, vergiftet das Geschwür über kurz oder lang den ganzen Körper. Das Licht der Wahrheit kann, wie der befreiende Schnitt des Chirurgen, weh tun, aber dieser Schmerz ist Heilung, ist Öffnung, führt ins Freie.

 

 

Vierter Schritt

Die Frau wünscht die Versöhnung. Versöhnung ist ein umfassendes Geschehen und vollzieht sich auf mehreren, mit einander in Beziehung stehenden Ebenen. mother_and_daughter

o    Frauen, die religiös ansprechbar sind, werden die Versöhnung mit dem Schöpfer des Lebens, sprich Gott, suchen. Die Beichte als das Sakrament der Versöhnung wird für sie der gegebene Weg sein, um sich von der eigenen Schuld befreien zu lassen. Aber auch Frauen ohne religiöse Sozialisation öffnen sich im Prozeß der Trauer- und Leidensbewältigung oftmals gleichsam instinktiv dem Sakrament, auch wenn sie es noch nicht kennen. Denn die Frau ahnt dunkel, daß die Schuld, die auf ihr lastet, menschlich nicht aufzuarbeiten ist, von keinem Menschen weggenommen werden kann. Die Abtreibung hat ein göttliches Gesetz verletzt, daher kann nur Gott das Verletzte wieder ganz machen.

o    Versöhnung meint auch Versöhnung mit dem getöteten Kind. Frauen, die sich von ihren tiefsten Empfindungen abkapseln, die ihrer Trauer über das getötete Kind nicht Ausdruck verleihen, die dem gesellschaftlichen Druck des Verschweigens und Tabuisierens erliegen oder ihn gar gutheißen, erkranken. Heilung ist Aussprechen. Die Frau hat das Recht, ihre Geschichte zu erzählen, mit all ihren Schmerzen. Die Heilung der Abtreibungswunden führt die Frau zur Bejahung ihrer tiefsten Reaktionen: des Schmerzes über das abgetriebene Kind, des Mitleids mit dem getöteten Kleinen, der Trauer über das nicht rückgängig Machbare. Im Heilungsgeschehen nimmt die Frau die verdrängte Beziehung zu ihrem Baby auf, sie heißt es willkommen, sie nimmt es an, sie trauert um seinen Tod. Zum Beispiel: Die Frau dankt Gott für das Geschenk des Lebens und für das Geschenk der Mutterschaft; sie dankt ausdrücklich für das Kind, das sie damals abgelehnt hat; sie nimmt das Kind in ihrer Vorstellung jetzt in den Arm, sagt ihm, warum sie einst falsch handelte, und bittet es um Verzeihung, sie gibt dem Kind einen Namen, sie schreibt ihm eventuell einen liebevollen Brief; sie betet für das Kind in einer Gedenkfeier und vertraut es dem Schutzengel an usw.

o    Die Versöhnung mit dem Kind leitet hin zur Versöhnung mit dem Kindsvater und den Personen, die zur Abtreibung gedrängt oder geraten haben und gleichfalls mitschuldig geworden sind. Auch demjenigen, der die Abtreibung durchführte, gilt es, bewußt zu vergeben.

o    Die vermutlich schwierigste Phase im Heilungsprozeß ist die Versöhnung mit sich selbst. Je mehr sich allerdings die Frau den einzelnen Versöhnungsangeboten öffnet, in Ehrlichkeit, ohne Schönrednerei oder übertriebene Selbstanklagen, desto größer ist die Hoffnung auf Heilung. Gute geistliche Begleiter werden der Frau Wege aufzeigen können, sich selbst zu vergeben. 


Fünfter Schritt

Die Frau wählt das Leben. Im Heilungsverlauf erkennt die Frau mehr und mehr, daß sie durch die Abtreibung die Liebe verletzt hat. Hätte sie das Kind zur Welt gebracht, so hätte sie in den darauffolgenden Wochen und Monaten und Jahren dem Kind Liebe und Zuwendung geschenkt. Durch das Kind wäre ein Stück mehr Liebe in die Welt gekommen. Da nun aber das abgetriebene Kind „fehlt“, wird die Frau versuchen, die Zeit und die Liebe, die sie dem abgetriebenen Kind gewidmet hätte, anderen zuzuwenden. Sie wählt jetzt das Leben, das sie einstmals verneinte, und in dieser Wahl öffnen sich ihr die Schönheit und Vielfalt des Lebens. Sei es, daß sie anderen, durch Abtreibung gefährdeten Frauen hilft, sei es, daß sie die Beziehung zum Ehemann oder Freund, zumal wenn diese in die Abtreibung verstrickt waren, klärt und radikal erneuert, sei es, daß sie dankbar eine neue Schwangerschaft anstrebt, sei es, daß sie bewußt die Möglichkeit stellvertretender Buße wählt – die Entscheidungen, welche die Frau nun trifft, wollen in jedem Fall lebensbejahende sein. 

 

Worte einer Frau nach ihrem Heilungsprozeß:

„Ich finde keine Worte, die beschreiben könnten, wie wunderbar diese Erfahrung war. Ich konnte alles Leugnen, allen Zorn, alle Lügen, allen Trotz und alle Tränen, die in meinem Herzen waren, herauslassen (…) die Mauern stürzten ein und an ihre Stelle traten Mitgefühl, Vergebung, Gnade, Glaube und Liebe.“

 

Links:

titel_kleinEin kleines, praktisches Büchlein, in dem die 5 Schritte noch ausführlicher dargestellt sind, kann hier bestellt werden.