Lügen haben kurze Beine
beine.jpg (hli.at)  Aus dem Munde der Abtreibungsbefürworter ist stets dasselbe „Argument“ zu hören: Wenn wir weniger Abtreibungen haben wollen, dann haben wir noch mehr zu verhüten. Diese wenn/dann-Gleichung ist vor allem eines: falsch. Darüber hinaus ist sie auch noch verführerisch. Denn Untersuchungen und Statistiken zeigen, daß in Wirklichkeit die Abtreibungszahlen steigen, wenn die Verhütungspropaganda rollt. Was also läßt die Abtreibungszahlen tatsächlich sinken? - 
Anbei ein Bericht aus Polen. Hier erfährt man, was wirkt. Das heißt, die Fakten kommen auf den Tisch, nicht die Lügen.



Polens Weg zum gesetzlichen Schutz für Ungeborene

Von Dr. phil Pawel Wosicki, Präsident der Polnischen Föderation der Lebensschutzbewegungen, und Dr. techn. Antoni Zieba, Vizepräsident der Polnischen Föderation der Lebensschutzbewegungen.

Nach polnischem Recht war Abtreibung auf Verlangen der Frau viele Jahre lang zulässig, von 1956 bis 1993. Die Gesetzeslage änderte sich erst nach unablässiger Überzeugungsarbeit durch Lebensschützer, die in der Polnischen Föderation der Lebensschutzbewegungen zusammenarbeiteten. 1993 wurde schließlich das "Gesetz über Familienplanung, Schutz des menschlichen Embryos und Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Abtreibung" verabschiedet. Dieses neue Gesetz verbietet nun Abtreibungen außer in sogenannten "Ausnahmefällen".


Einleitung

Zum besseren Verständnis des polnischen Lebensschutzgesetzes von 1993 müssen vorweg folgende Umstände erwähnt werden:

•    Polen ist das erste Land auf der Welt, welches unter demokratischen Bedingungen die gesetzliche Zulässigkeit der Abtreibung abgeschafft und durch eine Lebensschutzregelung ersetzt hat. Es ist das ein wichtiger Präzedenzfall, weil es beweist, daß die gesetzliche Duldung der Abtreibung nicht ein Grunderfordernis der Zivilisation darstellt. Und das wiederum könnte allmählich auf der ganzen Welt einen Umschwung bei der gesetzlichen Abtreibungsregelung in die Wege leiten.
•    Man muss die Ablehnung der gesetzlich zulässigen Abtreibung als Teil des geistigen Erbes der Sozialbewegung "Solidarnosc" (Solidarität) verstehen. Diese hat ja allgemein eine Veränderung in Gang gesetzt, welche sich auf ganz Europa ausgewirkt hat. "Solidarnosc" hat sich von Anfang an für die grundlegenden Freiheitsrechte eingesetzt, ohne dabei das Wichtigste von allen - das Recht auf Leben - auszuschließen.
•    Das polnische Lebensschutzgesetz gehört auch zum Vermächtnis des Papstes Johannes Pauls II. In seinem Pontifikat war die Verteidigung der Rechte von Wehrlosen und Leidenden stets ein zentrales Anliegen.
•    Die Erfahrungen, die Polen hier im letzten Jahrzehnt gemacht hat, geben den Lebensschützern auf der ganzen Welt ein schlagkräftiges Argument in die Hand. Denn sie erweisen klar und unwiderlegbar, daß von einem solchen Lebensschutzgesetz segensreiche Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft ausgehen.


Die Vorgeschichte des Gesetzes

Hier muß der bezeichnende Umstand betont werden, daß Abtreibungen in Polen das erste Mal von den nationalsozialistischen Invasoren im Jahr 1942 legalisiert wurden. Die Rechtsvorschriften der Nazis (Verordnung vom 9. 3. 1942) erlaubten es polnischen Frauen, auf Verlangen eine Abtreibung durchführen zu lassen. Für deutsche Frauen hingegen war das strengstens verboten, sogar unter Todesstrafe. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Abtreibungen wieder verboten und damit der Rechtszustand der Vorkriegszeit erneut hergestellt.

Das zweite Mal wurde Abtreibung auf Verlangen der Frau am 27. April 1956 durch Parlamentsabgeordnete legalisiert, diesmal auf Befehl des sowjetischen Diktators Josef Stalin. Dieses Gesetz blieb bis zum 7. Jänner 1993 in Kraft. Die Rechtslage änderte sich erst nach einem langen Feldzug der Lebensschützer. Dieser erreichte  schließlich, daß das "Gesetz über Familienplanung, Schutz des menschlichen Embryos und Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Abtreibung" vom Parlament beschlossen wurde. Dieses neue Gesetz verbietet nun Abtreibungen   außer in sogenannten "Ausnahmefällen". Damit war aber in Polen das Ringen um den gesetzlichen Lebensschutz noch nicht abgeschlossen.

Im Jahr 1996 novellierte eine nachkommunistische Volksvertretung dieses Gesetz in der Weise, daß nun Abtreibung "aus sozialen Indikationen" erlaubt sein sollte. Diese novellierte Fassung des Gesetzes wurde zwar am 20. November 1996 vom Staatspräsidenten, Aleksander Kwasniewsky, gegengezeichnet. Der Verfassungsgerichtshof Polens erklärte jedoch die Gesetzesnovelle für verfassungswidrig. Damit erlangte im Dezember 1997 das ursprüngliche Gesetz vom 7. Jänner 1993 wieder Rechtsgültigkeit, nachdem es ein Jahr lang außer Kraft gesetzt war.

Die Urteilsbegründung des Verfassungsgerichtshofes stützte sich dabei auf folgende Argumente:

I.     Gemäß seiner Verfassung ist Polen ein demokratischer Rechtsstaat.
II.     Das bedeutet, daß in Polen alle Personen dieselben Rechte haben, insbesondere steht –

1.    jeder Person das grundsätzliche Recht auf Leben zu.
2.    Es gibt keinen hinreichenden Grund dafür, einem ungeborenen Kind den Status einer Person abzusprechen.
3.    Als Person hat das ungeborene Kind aber von der Empfängnis an das Recht auf Leben.
4.    Abtreibung aus sozialen Indikationen (oder bereits auf bloßes Verlangen der Mutter) verletzt dieses Lebensrecht des ungeborenen Kindes.
5.    Ein Gesetz, das Abtreibung aus sozialen Indikationen oder auf Verlangen der Frau zuläßt, steht daher im Widerspruch zur polnischen Verfassung.


Die materiellen Bestimmungen des Gesetzes

Es verbietet Abtreibungen, außer in drei Fällen:
•    Wenn die Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der Mutter bedroht,
•    wenn der Fötus schwere Schäden aufweist und
•    wenn der Verdacht besteht, daß die Schwangerschaft durch eine rechtswidrige Handlung entstanden ist.
Das Gesetz bestraft nur den Arzt, der die Abtreibung durchführte, nicht jedoch die Frau, die sich dem Eingriff unterzogen hat.


Welche gesellschaftlichen Auswirkungen waren festzustellen, nachdem dieses Gesetz Rechtskraft erlangt hatte?

Das Gesetz ist nun schon seit mehr als 10 Jahren in Kraft. In dieser Zeit hat sich viel zum Besseren gewendet:

•    Das wichtigste Ergebnis des polnischen Lebensschutzgesetzes ist der unglaubliche Rückgang bei der Zahl der Abtreibungen, die in Polen durchgeführt werden. Interessant und erwähnenswert ist dabei, daß die Verminderung der gemeldeten Abtreibungszahlen bereits Anfang der Achtzigerjahre eingesetzt hat. In dieser Zeit haben nämlich die Lebensschutzbewegungen begonnen, ihre Tätigkeit zu entfalten, und die Stimme der katholischen Kirche mit der Lehre des Papstes Johannes Pauls II wurde unüberhörbar.

•    Weiters hat sich die Mutterschafts-Gesundheitsstatistik gebessert. Die Anzahl der weiblichen Todesfälle, die in Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett stehen, nimmt stetig ab (im gesamten Zeitraum wurde lediglich ein einziger Todesfall gemeldet, der auf eine gesetzwidrige Abtreibung zurückzuführen war); die Themen Mutterschaft und Weitergabe des Lebens sind stärker in das Bewußtsein der Gesellschaft gerückt (die Zahl der minderjährigen Mütter nimmt übrigens auch ab); sowohl die Sterblichkeitsrate von Neugeborenen als auch die Anzahl an Fehlgeburten gehen zurück.

Dies sind die wesentlichen Auswirkungen, die das Lebensschutzgesetz in Polen mit sich gebracht hat. Der Erfolg dieses Gesetzes hat aber noch andere Aspekte und die sind ebenso interessant. Die Einwände dagegen aus dem Lager der Abtreibungsbefürworter stützen sich nämlich immer auf irgendwelche angebliche schädliche Nebenwirkungen des Gesetzes. Solche Einwände wurden auch während der parlamentarischen Behandlung dieses Gesetzesantrages erhoben. Sie stellen die übliche Argumentationslinie von Abtreibungsbefürwortern auf der ganzen Welt dar. Wir möchten dazu eine Gegenüberstellung präsentieren, die klar und deutlich erkennen läßt, daß diese Einwände eigentlich jedweder Grundlage entbehren. Im Gegenteil: Es läßt sich so aufzeigen,

•    daß sich bei den polnischen Frauen die Daten der Mutterschafts-Gesundheitsstatitik stetig gebessert haben,
•    daß die allgemeine Einstellung der Öffentlichkeit zur Weitergabe des Lebens offener geworden ist und
•    daß die Anzahl von Sterbefällen vor der Geburt abgenommen hat.


Vergleichen wir die folgenden Vorhersagen mit der tatsächlichen Entwicklung:

 

EINWÄNDE, DIE WÄHREND DER PARLAMENTARISCHEN DEBATTE ÜBER DEN GESETZESANTRAG ERHOBEN WURDEN

DIE TATSÄCHLICHEN VERHÄLTNISSE

1. Die Spitäler werden komplett mit Frauen belegt sein, die eine Abtreibung illegal und unter schlechten hygienischen Bedingungen riskiert haben.

Die Anzahl von Todesfällen in Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett nimmt stetig ab (80 im Jahr 1991 und 25 im Jahr 2000).

2. Die gesetzlich verpflichteten Mütter stehen dann ohne fixes Einkommen und ohne jede Unterstützung da.

Die zur Verfügung stehenden Unterkünfte, Unterstützungen und Zuwendungen für schwangere und stillende Mütter werden gar nicht voll ausgenützt.

3. Die Gefängnisse werden mit Frauen überfüllt seien, die wegen einer Abtreibung verurteilt wurden.

Nur die Ärzte und das medizinische Personal können nach diesem Gesetz wegen einer Abtreibung bestraft werden, nicht jedoch die Frau, die sie hat durchführen lassen.

4. Die Zahl der Kindesweglegungen und ermordeten Neugeborenen wird dramatisch ansteigen.

Die Zahl der Kindes-Morde hat sogar abgenommen (59 in 1992 und 26 in 2001), die Gesamtzahl der Todesfälle von weggelegten Kleinkindern zwischen 1991 und 2001 war 18.

5. Ungewollte Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen werden radikal zunehmen.

Die Zahl von Müttern unter 19 Jahren ist am Abnehmen (1990 waren sie 8% und im Jahr 2001 7%).

6. Es wird mehr Fehlgeburten geben, die als ungewollt gemeldet wurden (aber tatsächlich von den Frauen selbst verursacht worden sind).

Die Anzahl der Fehlgeburten hat insgesamt abgenommen.

(Siehe Tabelle 1).

7. Todesfälle, die mit Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett in Zusammenhang stehen, werden an Häufigkeit zunehmen.

Todesfälle, die mit Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett in Zusammenhang stehen, sind weniger geworden. Abgenommen hat auch die Zahl von Behandlungen gynäkologischer Komplikationen, bei denen als Ursache Verdacht auf illegale Abtreibung besteht.

(Siehe Diagramm 2)

 

 

Die Reaktion auf das Gesetz in der Gesellschaft Polens

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Abtreibung nimmt schon seit längerer Zeit ab. Noch 1992 gaben bei einer Umfrage 26% der Befragten an, daß Abtreibung ohne Einschränkung erlaubt sein soll. Diese Zahl ist beträchtlich zurückgegangen und heute befürworten sie nur mehr 16% der Polen. Die überwiegende Mehrheit der polnischen Staatsbürger ist heute der Meinung, Abtreibungen sollen in all den Fällen verboten bleiben, die von dem Lebensschutzgesetz als illegal bezeichnet werden.

Leider hat in demselben Zeitraum die Zustimmung dazu, daß Abtreibung unter gewissen Umständen erlaubt sein soll, weniger stark abgenommen. Das beweist aber, daß das Gesetz, wie es zur Zeit in Kraft ist, doch einen effektiven Einfluß auf die Einstellungen zur Abtreibung ausübt. (siehe Diagramm 1)

Das Ergebnis einer dieser Meinungsumfragen wird im Folgenden vorgestellt:

 

 

Diagramm 1

 

Sollte ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt sein, wenn... 

polen_diagramm1.jpg

   

Quelle: Meinungsforschungszentrum, Noviana 2006

 

  

HTML clipboard
Wie sehr das Gesetz tatsächlich zum Lebensschutz beiträgt

Es ist an der Zeit, eine angemessene Würdigung des Einflusses vorzunehmen, den das Lebensschutzgesetz bisher ausgeübt hat. Die folgenden kurzen Auskünfte beruhen auf offiziellen Regierungsangaben. Wir hoffen, daß sie die häufigsten Fragen zu dem Thema beantworten:

•      Hat die Zahl der Abtreibungen tatsächlich abgenommen, seit das Lebensschutzgesetz in Polen beschlossen worden ist?

Jawohl! Siehe beigefügte Tab. 1. Sie zeigt die Anzahl der erlaubten Abtreibungen, die jedes Jahr registriert wurden. Die Zahlen lassen eine rasche Abnahme erkennen. Die einzige Ausnahme dazu ist das Jahr 1997, damals war das Gesetz teilweise außer Kraft gesetzt. Im Allgemeinen hat sich die Zahl der Abtreibungen jedes Jahr vermindert.

 

Tab. 1: Anzahl der registrierten Abtreibungen: 1988-2004

 

Jahr

Abtreibungen insgesamt

 

Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der Mutter

Gesundheits-

mängel des empfangenen Kindes

Schwangerschaft durch ein Verbrechen verursacht (Inzest, Vergewaltigung)

Natürliche Fehlgeburten

1988

    105 333

 

 

 

59 076

1989

     82 137

 

 

 

59 549

1990

     59 417

 

 

 

59 454

1991

     30 878

 

 

 

55 992

1992

     11 640

 

 

 

51 802

1993

         777

     736

         32

              9

53 057

1994

         782

     689

         74

            19

46 970

1995

         559

     519

         33

              7

45 300

1996

         495

     457

         40

              8

45 054

1997

      3 047

     409

       107

              7

44 185

1998

         310

     211

         46

            53

43 959

1999

         151

       94

         50

              1

41 568

2000

         138

       81

         55

              2

41 007

2001

         124

       63

         56

              5

40 559

2002

         159

       71

         82

              6

41 707

2003

         174

       59

       112

              3

42 381

2004

         193

       62

       128

              3

42 183

Quelle: Die Statistischen Jahrbücher. Der regierungsamtliche Bericht über die Durchführung des Lebensschutzgesetzes "Über Familienplanung, Schutz des menschlichen Embryos und Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Abtreibung".

 

 

•    Wie groß ist das Problem der geheim durchgeführten Abtreibungen in Polen? Sind die Berichte zutreffend, daß sie geradezu massenhaft vorgenommen werden?

Man muß wohl voraussetzen, daß die offiziellen Statistiken über die Zahl der Abtreibungen von der Realität abweichen. Aus den jährlichen Regierungsberichten ist zu entnehmen, daß pro Jahr mehrere Dutzend derartiger Fälle zum Gegenstand einer behördlichen Untersuchung werden. Im Jahr 2005 zum Beispiel gab es 56 gemeldete Fälle illegaler Abtreibungen. Die Organe der Staatsanwaltschaft sind bei der Verfolgung gesetzwidriger Abtreibungen nicht aktiv genug. Deren Zahl ist, wie schon erwähnt, sicher größer als die der aufgedeckten Fälle. In den Zeitungen findet man eine wahre Flut von Inseraten, die "Regulierung der Menstruation" oder "gynäkologische Eingriffe" anbieten (allesamt nur getarnte Ausdrücke für Abtreibungen). Wenn man deren Zahl mit den wenigen Fällen illegaler Abtreibungen vergleicht, die von der Staatsanwaltschaft tatsächlich aufgegriffen wurden, hat man ein deutliches Indiz für den Mangel an Diensteifer bei den staatsanwaltschaftlichen Organen.

Die tatsächliche Zahl der illegalen Abtreibungen in Polen läßt sich nicht leicht abschätzen, trotzdem gibt es keinerlei Beweise dafür, daß ihre Zahl besonders hoch sei. Im Gegenteil, die Tatsache, daß kaum noch Spätwirkungen von Abtreibungen, wie nachfolgende gynäkologische Komplikationen, bekannt werden, ist ein signifikanter Hinweis darauf, daß illegale Abtreibungen kein ernsthaftes gesellschaftliches Problem mehr darstellen.

All das ermöglicht es uns, die glaubwürdige Behauptung aufzustellen, daß illegale Abtreibungen - obzwar immer noch ein Problem – so doch sicher kein Massenphänomen mehr sind, wie es vom polnischen Zweig der IPPF (International Planned Parenthood Federation, dem größten internationalen Abtreibungsnetzwerk) dargestellt wurde. Behauptungen dieser Art entbehren jeder sachlichen Grundlage und haben nur zum Ziel, die Öffentlichkeit irre zu führen sowie den Zweck und die segensreichen Auswirkungen des Lebensschutzgesetzes zu diskreditieren.


•      Wenn die Zahl der Abtreibungen tatsächlich abgenommen hat, wie erklärt sich dann die Tatsache, daß die Geburtenrate in Polen nicht angestiegen ist?

Die Abnahme der Geburtenrate ist ein besorgniserregendes, ja ein alarmierendes Phänomen. Sie ist aber nicht einfach ein direktes Resultat der illegalen Abtreibungen. Vielmehr ist sie verschiedenen langfristigen demographischen Trends zuzuschreiben, als da sind:
•    Die abnehmende Zahl an Eheschließungen,
•    Verschiebungen in der Altersstruktur der Frau bei der Mutterschaft,
•    das immer größer werdende Problem der Sterilität, das man einfach als eine Zivilisationserscheinung ansehen muß, und schließlich
•    die geänderten Verhaltensmuster und Leitbilder für die Gestaltung des modernen Familienlebens.


•      Hat es nicht einen Anstieg bei der Zahl gynäkologischer Komplikationen gegeben, die von illegalen Abtreibungen verursacht sein könnten?

Nein, ganz im Gegenteil! Wie aus Diagramm 2 zu entnehmen ist, ist die Zahl von Todesfällen in Zusammenhang mit der Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett insgesamt zurückgegangen. Diese Beobachtung - zusammen mit der abnehmenden Zahl spontaner Fehlgeburten betrachtet - beweist, daß sich die Fortpflanzungshygiene der Frauen allgemein gebessert hat. Wenn die Behauptungen über die große Anzahl illegaler Abtreibungen in Polen den Tatsachen entsprochen hätten, dann hätten wir auch einen Anstieg bei der Zahl der Fehlgeburten feststellen müssen sowie vermehrte Todesfälle von Frauen als Folge von Komplikationen nach illegalen Abtreibungen.

 

Diagramm 2

Anzahl von Todesfällen, die in Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett standen
 
polen_diagramm2.jpg

­ HTML clipboard

­Rechtskraft des Lebensschutzgesetzes: Jänner 1993
Quelle: Demographische Jahrbücher 1945 – 1999. GUS, Abteilung für Amtliche Statistik. Polnischer Regierungsbericht über die Durchführung des Lebensschutzgesetzes „Über Familienplanung, Schutz des menschlichen Embryos und Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Abtreibung“.

 


Eine weitere positive Auswirkung, die das Gesetz mit sich gebracht hat, ist die Einführung des "Programms zur Verbesserung der vorgeburtlichen Fürsorge in Polen". Es hat unter anderem zu einer Verringerung der Anzahl von Todesfällen bei Neugeborenen geführt, und zwar von 1,62% im Jahr 1993 auf 0,64% im Jahre 2005.


•    Hat die strafrechtliche Sanktionierung der Abtreibung eine gestiegene Zahl von Kindesmorden mit sich gebracht, die von den Müttern unmittelbar nach der Geburt verübt werden?

Ganz im Gegenteil! Wie man aus Diagramm 3 entnehmen kann, nimmt die Häufigkeit von Kindesmorden konstant ab. Wenn man aus einzelnen derartigen Fällen Schlagzeilen macht und die Sache noch dazu so dargestellt, als wären sie geradezu durch das Lebensschutzgesetz herbeigeführt worden, so hat man damit eigentlich menschliche Tragödien in zynischer Weise mißbraucht, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und zu steuern.

 

Diagramm 3

Anzahl an Kindesmorden in Polen

polen_diagramm3.jpg

­ HTML clipboard

 ­Rechtskraft des Lebensschutzgesetzes: Jänner 1993
Quelle: Polnischer Regierungsbericht über die Durchführung des Lebensschutzgesetzes „Über Familienplanung, Schutz des menschlichen Embryos und Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Abtreibung“.(aus den Jahren 2001 und 2005)

  


•    Wie häufig kommt es vor, daß Frauen ihre Neugeborenen in den Spitälern zurücklassen?

Die Anzahl von Kindern, die in Spitälern zurückgelassen werden - außer wegen ihres  Gesundheitszustandes -  ist ungefähr 1000 pro Jahr. Es muß dabei aber hinzugefügt werden, daß sie kein ernsthaftes gesellschaftliches Problem darstellen. Meist finden sich Pflegeeltern für sie oder sie werden bald von Familien adoptiert. Von Seiten der Abtreibungsbefürworter wird hier argumentiert, daß diese Kinder gar nicht geboren worden wären, wenn es das Lebensschutzgesetz nicht gäbe. Das heißt aber letztlich, daß sie schon getötet worden wären, bevor sie überhaupt geboren wurden, und das halten diese Leute für die bessere Lösung.


•    Übt das Lebensschutzgesetz einen Einfluß auf die Einstellung der jungen Menschen aus?

Ja, ganz bestimmt. Als Beweis dafür könnte man anführen, daß die Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen signifikant abgenommen haben, wie man aus dem Diagramm 4 entnehmen kann.
   
Diagramm 4

Schwangerschaften minderjähriger Mädchen in Polen

polen_diagramm4.jpg

­Rechtskraft des Lebensschutzgesetzes: Jänner 1993
Quelle: GUS, Abteilung für Amtliche Statistik 2004.


•    Wie sind die Aussichten für die Zukunft? Was kommt bezüglich der Lebensschutzgesetzgebung in den nächsten Jahren auf Polen zu?

Der Staatspräsident, Prof. Lech Kaczyhski, sowie die Regierung unter Jarostaw Kaczyhski von der Partei für Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwosc) garantieren dafür, daß dieses Gesetz in der nahen Zukunft nicht geändert wird. Die meisten politischen Parteien in Polen halten das Gesetz für einen optimalen Kompromiß und wollen es ihrerseits auch nicht mehr novellieren.

Wie wir oben schon aufgezeigt haben, nimmt allgemein die gesellschaftliche Akzeptanz für Abtreibungen ab. Die überwiegende Mehrheit der polnischen Staatsbürger ist der Meinung, daß das Lebensrecht von Ungeborenen durch Gesetz zu schützen ist und daß das Lebensschutzgesetz in der gegenwärtigen Form in Kraft bleiben soll.

 
•    Bietet das "Gesetz über Familienplanung, Schutz des menschlichen Embryos und Voraussetzungen für die Zulässigkeit einer Abtreibung" allen Ungeborenen ausreichenden Schutz?
 
Leider bietet es keinen Schutz für Kinder, die entweder krank sind, deren Empfängnis durch ein Verbrechen herbeigeführt wurde oder deren Wachstum im Mutterleib ein Risiko für die Gesundheit der Mutter bedeutet. Das stellt besonders deswegen eine schändliche Diskriminierung dar, weil es sich dabei gerade um Kinder handelt, deren man sich mit besonderer Fürsorge annehmen sollte. Die Lebensschützer sind sich jedoch darüber im Klaren, daß für die Herstellung des vollen gesetzlichen Schutzes aller Ungeboren noch eine große Aufklärungs-Anstrengung notwendig ist, da die Menschen das derzeitige Gesetz im Großen und Ganzen für ausreichend halten. Diese Aufklärung der Gesellschaft, die eine gebührende Achtung vor dem Leben eines jeden menschlichen Wesens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod erreichen will, bleibt das vordringliche Ziel der Polnischen Föderation der Lebensschutzbewegungen.



Schlußbemerkungen

In Summe beweisen die oben erwähnten Tatsachen klar und eindeutig, daß sich das Lebensschutzgesetz sehr zum Vorteil der empfangenen Kinder, der Frauen, der Familien und der ganzen Gesellschaft ausgewirkt hat. Propaganda, die darauf abzielt, das Gesetz zu diskreditieren und die Erlaubtheit des Schwangerschaftsabbruches wieder auszuweiten, entpuppt sich so als ein gesellschaftlich höchst destruktives Unterfangen. Der gesamte Meinungsaustausch über die praktische Durchführung dieses Gesetzes sollte zu besseren Methoden für den Schutz der Ungeborenen, der Mütter und der Familien führen. Keinesfalls dürfte er dazu mißbraucht werden, das verfassungsmäßige Recht auf Leben wieder in Frage zu stellen, das ja vom polnischen Verfassungsgerichtshof im Jahr 1997 bestätigt worden ist..

Die Polnische Föderation der Lebensschutzbewegungen besteht aus fast 140 Lebensschutzgruppen aus dem ganzen Land. Da sie eine unpolitische Körperschaft ist, konzentriert sich die Bewegung darauf, jene Politiker zu unterstützen, die für die Sache des Lebensschutzes im polnischen Parlament offen eintreten, obgleich sie damit oft auf Unverständnis stoßen und manchmal geradezu gemieden werden. Wir bemühen uns, auch andere Abgeordnete dahingehend zu instruieren, daß auch sie letztendlich den Standpunkt des Lebensschutzes vertreten. Weiters ist es unser Ziel, die öffentliche Meinung zu ändern, damit mehr und mehr Menschen diese Wahrheit erkennen und sich zu eigen machen, daß jedes menschliche Wesen dasselbe Recht auf Leben hat: Eines, das gerade erst empfangen wurde, ein Neugeborenes ebenso wie Junge und Alte, Gesunde und Kranke.

Das soll aber nicht heißen, daß die Polnische Föderation der Lebensschutzbewegungen sich ausschließlich mit den juristischen Aspekten des Lebensschutzes befaßt. Die meisten Lebensschutzbewegungen, die zu der Föderation gehören, sind Gruppen und Organisationen, die den schwangeren Frauen und ihren Familien unmittelbar mit praktischer Hilfe zur Hand gehen. Der gesetzliche Schutz der Ungeborenen jedoch war schon immer unser Hauptanliegen und wird es weiterhin bleiben.

Sie können diese Publikation reproduzieren, verteilen und veröffentlichen. Auf unserer Website ist sie auch in englischer Sprache abrufbar: www.prolife.com.pl

 

Die Polnische Föderation der Lebensschutzbewegungen

Adr.: Ul Forteczna 3, 61-362 Poznan, Polen

Tel, +48(61)653 03 91, Fax +48(61)653 03  94

e-mail: glos@prolife.com.pl