Abtreibung und Seligsprechung - wie geht das zusammen?
dorothy day.jpg(hli.at/ Respect Life Office, Catholic Archdiocese of Melbourne for Respect Life) Ist nach einer Abtreibung alles gelaufen? Bleibt dann nur mehr die Verzweiflung, die Depression, die Flucht, die Verdrängung oder der Selbstmord auf Raten? An Dorothy Day, für die ein Seligsprechungsprozeß läuft, kann man sehen, daß es anders geht. Es gibt Hoffnung. Maria Magdalena ist kein Fall für das Museum. Auch heute ist Verwandlung möglich. Die Voraussetzung? Der Sünder sagt: „Ich bereue.“

Dorothy Day – eine moderne Heilige

„Ihr Leben ist ein Vorbild für alle Menschen des 3. Jahrtausends, zumal aber für Frauen, die abgetrieben haben (…) ich habe nie eine Frau verurteilt, die abgetrieben hat; ich weine mit ihr und bitte sie (…), stets Gottes liebendes Erbarmen und Seine Vergebung wahrzunehmen“

(Kardinal John O’Connor, Erzdiözese New York 1997).

Wie konnte sie eine Heilige sein?

Eine Frau, die abgetrieben hat – wie konnte sie eine Heilige werden? Frauen „wie sie“ können ja wohl keine Heilige werden, oder?

Gründerin der Catholic-Worker-Bewegung (einer katholischen Arbeiterbewegung)

Dorothy Day ist sehr bekannt aufgrund ihres Einsatzes für die Armen und Ausgestoßenen. Sie war Journalistin, stritt für soziale Belange, war radikale Kämpferin und Frauenwahlrechtlerin. Im Jahr 1933 war sie (gemeinsam mit Peter Maurin) Mitgründerin der Zeitung für katholische Arbeiter (Catholic Worker Newspaper), die soziale Gerechtigkeit fördern wollte. Ihr erstes Haus der Gastfreundschaft wurde gleichfalls 1933 in New York eröffnet; heute gibt es über 130 Catholic-Worker-Gemeinschaften in 32 Bundesstaaten in Amerika und in acht überseeischen Ländern.

Vor ihrer Konversion

Weniger bekannt ist die Tatsache, daß Dorothy als junge Frau eine Abtreibung hatte. Sie sprach oder schrieb kaum darüber:

„Ich humpelte den verdunkelten Treppenschacht zur Wohnung an der Upper East Side in New York hinunter. Meine Schritte waren unschlüssig, schwankend. Mein linker Arm hielt sich krampfhaft am Treppengeländer. Mein rechter Arm umklammerte meinen Unterleib; er brannte vor Schmerz. Ich schritt nach draußen, auf die Straße, allein im Dunkel. Es war im September 1919. Ich war 21 Jahre alt und hatte soeben mein Baby abgetrieben.

Lionel, mein Freund, hatte versprochen, mich bei der Adresse abzuholen, wenn alles vorüber sei. Von neun bis zehn Uhr abends wartete ich, schmerzerfüllt, aber er tauchte nie auf. Als ich zu seinem Appartement kam, fand ich dort lediglich einen Zettel. Er teilte mit, er sei wegen eines neuen Jobs abgefahren, und was meine Abtreibung betraf, sagte er, daß ich ‚weiß Gott nur eine von wie vielen Millionen Frauen sei, die dasselbe durchgemacht hätten. Mach dir keine Hoffnungen. Wirklich, das Beste ist, wenn du mich vergißt…’“

Viele Jahre lang hatte Dorothy die Befürchtung, sie könne keine Kinder mehr bekommen; doch sie sehnte sich nach einem Kind. Später, als sie mit Foster Batterham, einem Atheisten und Anarchisten, zusammenlebte, wurde sie erneut schwanger. Sie betrachtete dies als „ein Wunder Gottes, denn ich war der Meinung, er habe mich nach der Abtreibung unfruchtbar zurückgelassen.“ Sie machte sich darauf gefaßt, daß ihr Kind „ein häßliches, groteskes Etwas sei, das nur ich imstande wäre, zu lieben; ich erwartete vielleicht, im Kind meine eigenen Sünden zu sehen… Dagegen gebar ich am 4. März 1926 eine wunderschöne Tochter: Tamar Teresa (…) Ich war voller Ehrfurcht gegenüber dem neuen Leben meines Babys, und in Dankbarkeit Gott gegenüber wollte ich, daß sie in der katholische Kirche getauft wird (…) Dies war für Foster der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, er wollte mit irgendwelchen Verpflichtungen nichts zu tun haben (…) Im Juni wurde Tamar getauft.“

Dorothy wünschte, die Taufe zu empfangen, wußte jedoch, daß ihre Entscheidung sie teuer zu stehen käme. Sie würde Foster verlieren, darum zögerte sie. Schlußendlich, am Festtag der Unschuldigen Kinder, am 28. Dezember 1927, wurde sie getauft. „Das war etwas, was ich einfach tun mußte…“

Später ging Dorothy daran, gemeinsam mit Peter Maurin, das Haus der Gastfreundschaft zu eröffnen - ein Haus für die Armen, die Hungrigen, die Obdachlosen sowie für mißbrauchte Frauen und schwangere Mütter.

Ein Vorbild für das 3. Jahrtausend

Kardinal O’Connor merkt an, daß das Leben von Dorothy Day ein Vorbild für alle Menschen des 3. Jahrtausends ist, besonders aber für Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben oder an eine Abtreibung denken. Dorothy Day ließ eine Abtreibung durchführen vor ihrer Bekehrung. Jeden Tag ihres Lebens bereute sie ihre Tat. Nach ihrer Bekehrung wurde sie zu einer kraftvollen Verteidigerin des menschlichen Lebens. Die Bekehrung des Denkens und des Herzens, die sie erlebte, spricht Bände zu all den Frauen von heute … sie bezeugt das Erbarmen Gottes, da eine Frau, die eine derart schwere Sünde begangen hatte, nach ihrer Bekehrung eine solche Einheit mit Gott zu finden vermochte. Sie zeigt, daß Wandlung möglich ist: weg vom Akt roher Gewalt gegen unschuldiges Leben im Schoße der Mutter hin zu einer Gesinnung gänzlicher Heiligkeit. „Kurz gesagt“, so der Kardinal, „ich stehe dafür ein, daß ihre Abtreibung ihren Seligsprechungsprozeß nicht verunmöglichen, sondern intensivieren sollte … Mit großer Freude verkünde ich, daß der Heilige Stuhle gewährt, das Seligsprechungsverfahren und die Kanonisation von Dorothy Day zu eröffnen.“

 

Links:

Abtreibung - die Fakten

Hilfe für schwangere Frauen