Beispiel Polen: Beten, bis es hell wird

krakau.jpg(15. Okt. 2007. hli.at) – Vom 11. bis zum 14. Oktober 2007 fand der II. Internationale Welt-Gebets-Kongreß für das Leben in Krakau statt. Der Kongreß zeigte: Trotz Kultur des Todes – Pro Life boomt. Ein Kurzbericht von M. M. Müller.

Der II. Internationale Welt-Gebets-Kongreß für das Leben in Krakau

Wir leben mehr denn je in einer Zeit, die Zeugnisse braucht. Wiewohl Worte wahr sein sollten, wurden und werden sie oft genug mißbraucht, um eben das Wahre zu entstellen und zu verdrehen, mit einem Wort: um zu lügen. Mutterschaft, so wird uns weisgemacht, sei altmodisch und kleinkariert, Abtreibung dagegen eine Dienstleistung. Da fallen einem die Worte des alttestamentlichen Propheten ein: „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen“ (Jes 5,20).

In Krakau, beim II. Internationalen Welt-Gebets-Kongreß für das Leben (http://www.cracow-pro-life-congress-2007.com/), konnte man aufatmen, denn hier war die Hoffnung zu erleben: Worte, die wahr sind, und Zeugnisse, die stimmen. Die Polnische Vereinigung zum Schutz des menschlichen Lebens hatte internationale Referenten eingeladen, der Ort der Veranstaltung war das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit. Wie bereits beim I. Internationalen Welt-Gebets-Kongreß für das Leben letztes Jahr in Fatima (http://www.fatima-pro-life-congress-2006/),   so ging es auch heuer um die bewußte Einheit von Wort und Tat, von Gebet und Einsatz für die Kultur des Lebens. Johannes Paul II. hat in seiner maßstabsetzenden Enzyklika Evangelium vitae das Programm formuliert. Dort heißt es: „Abtreibung und Euthanasie sind also Verbrechen, die für rechtmäßig zu erklären sich kein menschliches Gesetz anmaßen kann. Gesetze dieser Art rufen nicht nur keine Verpflichtung für das Gewissen hervor, sondern erheben vielmehr die schwere und klare Verpflichtung, sich ihnen mit Hilfe des Einspruchs aus Gewissensgründen zu widersetzen“ (73). Und weiter, in Kapitel 100, sagt der Papst: „Es bedarf dringend eines großangelegten Gebetes für das Leben, das die ganze Welt durchdringen soll (…) Finden wir also wieder die Demut und den Mut zum Beten und Fasten, um zu erreichen, daß die Kraft, die vom Himmel kommt, die Mauern  aus Lüge und Betrug zum Einsturz bringt (…).“

Der Kongreß in Krakau zeigte nun eben dies: Der Kampf für die Kultur des Lebens ist nur zu gewinnen, wenn er bewußt betend geführt wird, denn der Kampf ist ein geistlicher Kampf. Ein Beispiel unter vielen anderen, das beim Kongreß zur Sprache kam, mag dies illustrieren.

In den 80er Jahres des 20. Jahrhunderts, mitten unter kommunistischer Zeit, wagen polnische Lebensschützer das Unerhörte: den Kampf gegen die Abtreibung. 1942 hatten die Nazis die Abtreibung in Polen erstmals offiziell eingeführt. 1956 hatten die stalinistischen polnischen Machthaber Abtreibung zum Recht erklärt. Seitdem war Abtreibung in Polen das sozialistische Massenübel. Was dagegen tun? Die Aussicht, die Gesetzeslage umzukippen, war – menschlich gesehen – utopisch. Das Regime wußte mit seinen Gegnern brutal umzugehen. Und dennoch: Polnische Katholiken gründen 1980 den Gebetskreuzzug für das Leben. Das Ziel: Alles daranzusetzen, das mörderische Abtreibungsgesetz abzuschaffen. Die Mittel: Das Gebet, das Opfer und der unerschrockene Einsatz, was in kommunistischer Zeit oft genug hieß: Öffentlichkeitsarbeit im Untergrund, Widerstand noch dann, wenn der politische Druck immens war. Es erstaunt nicht, zu erfahren, daß die polnische Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc, die endlich das kommunistische Regime in Polen zum Einsturz brachte, und die polnischen Lebensschützer Hand in Hand arbeiteten, dieselben Ziele verfolgten. Tatsache ist, daß 1993, nach dem Fall des eisernen Vorhangs und den politischen Reformen in Polen, Abtreibung in Polen (bis auf wenige Ausnahmefälle) verboten wird. Der Versuch, die Neuregelung des Abtreibungsrechtes 1996/97 rückgängig zu machen, scheitert. Abtreibung bleibt in Polen unter Strafe. Aber: Nicht die Frau in Not wird bestraft, sondern der Abtreiber.

Die nackten Statistiken geben den Lebensschützern seitdem recht. Entgegen den Befürwortern der Abtreibung, die mit fadenscheinigen und abstrusen Parolen die Schlacht für sich entscheiden wollten, sprechen die erhobenen Daten eine klare Sprache: Abtreibungen sind nicht gestiegen, sondern signifikant zurückgegangen und dies jährlich unter die Tausendermarke! Illegale Abtreibungen, die durch die neue Gesetzeslage angeblich horrend zunehmen würden, verminderten sich in Wirklichkeit, massenhafter Anstieg von umgebrachten geborenen unerwünschten Kindern, von den Abtreibungsbefürwortern als Horrorszenario beschrieben, blieben reine Fiktion. Zudem: Die ansonsten hohe Zahl an Frauen, die nach der Abtreibung aufgrund von medizinischen Komplikationen ärztlich nachbehandelt werden mußten, verringerte sich eindeutig. Die Bilanz: Das neue Gesetz ist ein entscheidender Schritt in die soziale Wohlfahrt des polnischen Nachbarlandes. Aber die Polen wissen auch dies: Noch ist dieses Gesetz nicht das bestmögliche. Denn in bestimmten Fällen, so etwa, wenn das Ungeborene Mißbildungen aufweist, gestattet die derzeitige Rechtslage die Abtreibung. Der Kampf für das Leben geht demnach für die Polen weiter, bis auch diese Unrechtsklauseln fallen. An diesem Kampf kann auch die EU, die seit Jahren Polen mit Sanktionen kleinkriegen will, nichts ändern.

Zeugnisse wie diese brauchen wir. Der heurige II. Internationale Welt-Gebets-Kongreß für das Leben, bei dem Repräsentanten aus mehr als 20 Nationen über ihre Erfahrungen im Lebensschutz weltweit berichteten, hielt, neben der Bestandsaufnahme der globalen Bedrohungen des Lebens, eine Fülle solcher ermutigender Erfahrungen bereit: Aus Brasilien, aus Australien, aus Ghana, aus Österreich… Das Erbe Johannes Pauls II., dieses unermüdlichen Apostels für das Leben, ist lebendiger denn je. Vorträge des Kongresses können demnächst unter der Homepage des Kongresses (http://www.cracow-pro-life-congress-2007.com/) heruntergeladen werden bzw. als DVD bestellt werden. Weitere internationale Initiativen sind in Vorbereitung. Wir werden darüber berichten.