Harry Potter – Der Prototyp eines Abtreibungs-Überlebenden

harry_potter_kl.jpg(www.hli.at - www.lifesitenews.com) Harry Potter – der Name hat sich herumgesprochen. Die Pottermania scheint global zu sein. Warum eigentlich? Was zieht Jugendliche zu ihrem Helden mit der Narbe auf der Stirn? Das Ärzteehepaar Ney/Peeters-Ney, bekannt geworden wegen seiner klinischen Studien zur Symptomatik  von Abtreibungsüberlebenden sowie der Erforschung des Zusammenhangs von Abtreibung und Kindesmißbrauch, gibt eine Antwort, die ins Schwarze trifft...

Harry Potter – Der Prototyp eines Abtreibungsüberlebenden

Von Dr. Marie Peeters-Ney und Prof. Dr. Philip G. Ney

Nach dem Pokemon-Rummel setzte bald weltweit das Harry-Potter-Phänomen ein. Darüber sollte man reden. Gegenstand dieser Diskussion ist, darüber nachzudenken, welches die möglichen Ursachen für die Popularität von Harry Potter sind.

Sollte der aktuelle Rummel sich lediglich geschickter Maketing-Fertigkeiten verdanken? Hat dieses Buch einen außergewöhnlichen literarischen Wert? Könnte es ein, dass das Buch einen tiefer liegenden kulturellen Trend anzeigt?

Wir möchten die Hypothese anbringen, dass die Popularität der Harry-Potter-Serie sich der Tatsache verdankt, dass die Themen und die Hauptperson des Buches tiefe Saiten in den Seelen unserer jungen Generation anschlagen, weil diese Abtreibungsüberlebende sind.

Sie identifizieren sich damit, weil es so ausschaut, als hielte Harry Potter den Schlüssel in Händen, um die Tiefe und die ungelösten Konflikte zu entschlüsseln,  welche die junge Generation in ihrem Unterbewusstsein begraben hat. Wir schreiben diesen Artikel nach der Lektüre des ersten Bandes der Serie (Harry Potter und der Stein der Weisen). Wir werden nicht auf die zunehmende Abwärtsspirale eingehen, die von zahlreichen anderen Autoren kommentiert wird.

Manche kulturellen Ereignisse mögen generationsbedingte Lücken und kulturelle Unterschiede transzendieren, da sie unsere menschliche Verfasstheit reflektieren, deren Sehnsüchte, Hoffnungen und Kämpfe. Manche auch mögen das Denken des Menschen prägen und den Lauf der Geschichte beeinflussen. Wieder andere sind eine Widerspiegelung der gängigen Denkströmung und sind derart ein zeitgemäßer Ausdruck. Wieder andere reichen tiefer: sie drücken eine Facette der Zeit aus und präsentieren sie als die Norm, derart prägen sie das Denken einer Epoche und beeinflussen die gegenwärtigen Gedanken.

Es wurde viel über die Potter-Bände geschrieben und eine beachtliche Kontroverse ist diesbezüglich ausgebrochen. Unseres Wissens liegt jedoch nichts Geschriebenes vor, das einige der tiefergehenden Ursachen für den Erfolg der Potter-Bände analysiert. Eine solche Analyse wäre wichtig, um die Gründe sowohl für den Erfolg der Serie zu ermitteln wie auch um das Werk selbst zu beurteilen.

Im Jahre 1979 entdeckte und beschrieb Dr. Philip Ney Personen, die eine einzigartige Konstellation an Zeichen und Symptomen aufwiesen, wofür er die Bezeichnung „Abtreibungsüberlebende“ verwandte. Das, woran diese Menschen kranken, wird das PASS-Syndrom genannt (post-abortion surviver syndrom, Syndrom der Abtreibungsüberlebenden). Abtreibungsüberlebende sind all diejenigen, die hätten abgetrieben werden können und die nur rein zufällig oder aufgrund der Tatsache, dass sie erwünscht waren, ihrer Auslöschung entgingen.

Beispiele sind: Menschen, die in eine Familie hineingeboren werden, in denen ein Geschwister abgetrieben wurde; Menschen, deren Eltern ihnen erzählten, dass sie eigentlich hätten abgetrieben werden sollen; oder Menschen, die in einem Land geboren wurden, wo die Mehrzahl der Kinder abgetrieben wurde. Das betrifft letztlich 50 % der Menschen, die seit den siebziger Jahren geboren wurden. Ein Abtreibungsüberlebender zu sein, betrifft Millionen junger Menschen, und zweifelsohne knüpft die populäre Literatur daran an, das Denken derjenigen zu reflektieren, die verletzt sind, weil sie eine Abtreibung hinter sich haben und/oder Abtreibungsüberlebende sind.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, fragt sich der Rest der jugendlichen Bevölkerung, ob ihnen deshalb gestattet wurde, zur Welt zu kommen, weil sie erwünscht waren. Die Welt ist folglich voll mit Leuten, die eine ängstliche Faszination eben den Themen entgegenbringen, welche die Harry-Potter-Bände ausgiebig behandeln.

Eine kurze Beschreibung der Psychopathologie, die der Abtreibungsüberlebende aufweist, ist notwendig, um die Anziehungskraft der Harry-Potter-Bücher zu verstehen.

Kinder, die in einer Familie zur Welt kommen, in denen eine Abtreibung geschah, leben mit einer Mutter zusammen, die mit ihrer eigenen Schuld und Trauer zu kämpfen hat. Sie haben zudem oftmals einen Vater, der entfremdet ist. Kinder nun, die Eltern haben, die mit der Macht ausgestattet sind, über Leben und Tod ihrer Kinder zu entscheiden, wachsen mit ausgesprochen ambivalenten Beziehungen zu ihren Eltern auf – sie wünschen verzweifelt, ein nahes Verhältnis zu ihnen zu haben, wissen jedoch, dass dies zu gefährlich ist, sie wollen fliehen, werden jedoch festgehalten von ihrer emotionalen und materiellen Abhängigkeit von den Eltern. Tiefe Angst, Gewalt oder Teilnahmslosigkeit, eine Kommunikation zwischen den Generationen, die davon bestimmt ist, die Konfrontation mit rauen Wahrheiten zu vermeiden, Geheimniskrämerei - dies sind einige der Konflikte, die sich im folgenden einstellen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Abtreibungsüberlebenden ihre Eltern über die wirkliche Ursachen ihrer Ängste nicht fragen können, wachsen sie in einer Atmosphäre der Pseudo-Geheimnisse auf. Sie spüren, dass es bedeutsame Ereignisse und Probleme gibt, über die ihre Eltern oder irgendein Erziehungsberechtigter nicht reden wollen. Abtreibungsüberlebende leben in einer geschlossenen, unwirklichen, entmenschlichten Welt, sie kommunizieren durch verschlüsselte Sprache und durch virtuelle Medien. Die Kommunikation vollzieht sich hauptsächlich unter Gleichaltrigen, die zugleich Rivalen sind, Konkurrenzkampf und fehlende Verantwortlichkeit mischen sich störend in ihre Beziehungen.

Die erste Anhänglichkeit, die Bindung an die Mutter, war eine angstbesetzte mit dem Ergebnis der Ambivalenz und des Konflikts. Abtreibungsüberlebende wachsen auf mit Selbstzweifel und sehr ambivalenten Beziehungen zu anderen. Menschen werden benutzt, nicht aber geliebt.

Abtreibungsüberlebende haben sich selbst von all ihren Emotionen abgeschnitten, ausgenommen die Angst und die Furcht. Sie fühlen, dass sie kein unumstößliches Recht auf Leben haben. Ihr Recht, da zu sein, hängt davon ab, ob sie erwünscht sind. Wenn sie in der Welt Fuß fassen, dann überleben sie, indem sie Macht erlangen, sowie durch Betrügerei und Verführung. Sie müssen „haben“, um zu sein: Geld, gutes Aussehen, sportliches Können, magische Kräfte usw. Nur indem sie haben, sind sie weiterhin erwünscht und so weiterhin lebenswert. Unfähig zum Vertrauen, leben sie in einer Welt der Angst, ohne jemanden, an den sie sich wenden. Sie leiden an Alpträumen, in denen ihr abgetriebenes Geschwister (das nicht immer als solches identifiziert wird) nach Rache sucht, voller Wut über seinen ungerechten Tod und voller Zorn auf das Geschwister, das überlebte. Die überlebenden Geschwister fühlen etwas wie ein Gewicht auf ihren Schultern sowie einen ständigen Fluch des abgetriebenen Geschwisters. Darum sind sie in ihrer nackten Existenz bedroht, und zwar sowohl von der sichtbaren wie der unsichtbaren Welt.

Abtreibungsüberlebende liebäugeln mit dem Tod und suchen nach Kontrolle. Oftmals suchen sie nach Antworten und nach Macht im Bereich des Okkulten.

Das Genie von Frau Rowling besteht darin, dass sie bewusst oder unbewusst die geheime Welt der Abtreibungsüberlebenden angezapft hat. Ihr erstes Buch beschrieb die Welt der Abtreibungsüberlebenden: eine Welt, in der alles „unwirklich“ ist, die beherrscht wird von den hauptsächlichen Beziehungen zu Gleichaltrigen und abwesenden Eltern, mit der Drohung, benutzt oder missbraucht oder umgebracht zu werden von Hausverwaltern, die keine Liebe und kein Verständnis haben. Frau Rowling beschreibt Menschen, die alles haben, aber in der Angst leben, dass ihr „Geheimnis“ aufgedeckt wird (die Dursleys). Die wirkliche Welt ist so schrecklich, dass Harry Potter dachte: „Er wusste nicht, wohin er ging (in die Hexenschule), aber es würde sicherlich besser sein als das, was er hinter sich zurückließ…“

Indem Frau Rowling den Charakter von Harry Potter erfindet, macht sie den Leser mit einer Gestalt bekannt, mit dem ein Abtreibungsüberlebender eine Beziehung anknüpfen kann.

Harry ist der „Junge, der lebte“, obgleich er körperlich vom Mal des Todes gezeichnet ist und man ihm aufgrund eines satanischen Zeichens den Tod wünschte. An seiner Stirn ist er durch eine Narbe entstellt. Er ist ein Überlebender. Er bezeugt den Tod eines unschuldigen Geschöpfes durch jemanden, der nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat und deshalb ein solch abscheuliches Verbrechen begangen hat. Der Zentaur erzählt ihm: „Weil das Blut des Unschuldigen dich am Leben erhält, selbst dann, wenn du haarscharf am Tod bist, doch dies zu einem furchtbaren Preis … Du hast etwas Reines und Wehrloses getötet, um dich selbst zu retten, du wirst lediglich ein halbes Leben besitzen, ein verfluchtes Leben von dem Augenblick an, wo das Blut deine Lippen berührt.“

Harry Potter wird emotional, physisch und verbal von Erziehungsberechtigten missbraucht, doch er fühlt wenig Schmerz und vergießt keine Tränen. Die einzigen Emotionen, die er fühlt, scheinen Angst und Hass zu sein. Fragen zu stellen, ist ihm nicht gestattet. Seine eigene Geschichte kennt er nicht, obgleich er weiß, dass es über ihn ein Geheimnis gibt. Er wurde entmenschlicht. Er lebt in einer Welt der Angst, heimgesucht von dem immer wiederkehrenden Alptraum einer vermummten, gesichtslosen Gestalt, die das Blut des unschuldigen Opfers trinkt. So wie Ronan, der Zentaur, erklärt: „Die Unschuldigen sind stets die ersten Opfer…“

Die Todesangst, die in allen Abtreibungsüberlebenden gegenwärtig ist, wird üblicherweise derart bewältigt, dass man mit dem Tod kokettiert, so dass die Person sich einbildet, irgendwie Kontrolle über Leben und Tod zu haben. Harry Potter gibt dafür einen Beleg, als ihm mitgeteilt wurde: „Halt nicht an und sei nicht verängstigt, wenn du aufprallst, das ist wichtig. Wenn du nervös bist, dann renn’ einfach los …“ Und Harry Potter, als er es machte, schloss die Augen – bereit zum Aufprall.

Indem Rowling eine verschlüsselte Sprache benutzt, ist sie in der Lage, die verborgenen und unausgesprochenen Ängste des Abtreibungsüberlebenden in schriftlicher Form zu verpacken. Psychologische Konflikte, die gewöhnlich nur in Alpträumen aufscheinen, drückt sie im Schreiben aus. Viele der von Kindern erlebten Kämpfe, über die sie sich in den Harry-Potter-Bänden fantasievoll auslässt, haben Abtreibungsüberlebende in ihren furchtbaren Träumen zum Ausdruck gebracht. Zum Beispiel:

-         irgendjemand versuchte oder wollte dich töten (Harrys Lehrer Mr. Quirrel versucht, ihn umzubringen)

-         das Gefühl, dass man von unsichtbaren Leuten umringt ist, von denen einige feindlich gesinnt sind und deinen Tod wünschen (Harry schaut in den Spiegel und sieht eine ganze Menge Leute hinter sich stehen)

-         Blut zu vergießen und ein Geschwister umzubringen (in der Fantasie), so dass du ein halbes Leben leben kannst (Mr. Quirrel, der das Blut eines unschuldigen, reinen Opfers trinkt, um – zu einem furchtbaren Preis - am Leben zu bleiben)

-         das Gefühl, die Last eines Parasiten, eines feindlichen Geschwisters zu tragen, das an dir festhängt und dich am Leben hindert (Mr. Quirrel, ein Mann mit zwei Gesichtern, der einen halbtoten Voldmort mit sich herumträgt, welcher erklärt, dass er nur dann Gestalt annimmt, wenn er an einem anderen Körper teilhaben kann, und der davon träumt, einen Körper zu schaffen, der ihm gehört)

-         und selbstverständlich die schreckliche Wirklichkeit, dass jemand auf den Überlebenden wütend ist eben deswegen, weil er lebt (Voldmorts Wut auf Harry)

Frau Rowling macht Eindruck auf den Abtreibungsüberlebenden auch deshalb, weil sie kurz einige der tiefsten Sehnsüchte aller Menschen nach Leben und Sinngebung anspricht (Harry findet schließlich jemanden, der auf ihn aufpasst). Sie eröffnet diese Sehnsucht, doch entlässt sie den Leser mit leeren Händen. In auffälliger und detaillierter Weise beschreibt sie die dunkle Seite der Menschheit ohne Gott und breitet sich diesbezüglich aus. Die Themen, die sie entfaltet, sind hinsichtlich der Herrlichkeit der christlichen Offenbarung antithetisch. Sie illustriert die morbide Faszination, die Abtreibungsüberlebende an Kontrolle und Machtausübung haben, selbst wenn diese erschreckend und finster sind.

Harry Potter sucht nach dem Stein, der ewiges Leben gewährt. Dies ist eindeutig der christlichen Offenbarung entgegengesetzt. Er erlebt die Liebe einer Mutter, die dermaßen heftig ist, dass sie in der Lage ist, den Feind zu verbrennen und zu zerstören – ein augenfälliges Zerrbild.

Die meist pathologischen Träume der Abtreibungsüberlebenden bringt Frau Rowling zur Sprache. Verwandlung beschreibt sie als eine der komplexesten und gefährlichsten Arten der Magie. Sie beschreibt eine Welt der Magie und der Macht. „Es gibt weder gut noch böse, nur Macht und diejenigen, die zu schwach sind, um sie zu begehren.“ In der Welt des Harry Potter gibt es den Spiegel von Erised, der uns anzeigt,  was wir wünschen oder zu sehen wünschen. Eine Welt, in der jemand ausgezeichnet sein kann, falls er als Überlebender gekennzeichnet ist.

Die Erfinderin von Harry Potter beschreibt mit großer Genauigkeit die Welt der Abtreibungsüberlebenden. Sie führt jedoch diese gebrochenen Geschöpfe in einer wahrlich satanischen Art und Weise in eine Abwärtsspirale, hinein in eine Welt, die nicht lebensspendend ist, sondern tödlich und voller Verzweiflung. Sie zeigt ihnen den Weg hin zu einer täuschenden Machtausübung, die ohne jedes Leben und die der Bereich Satans ist.

Harry Potter kann Kultstatus bekommen. Menschen können durch ihn das Gefühl bekommen, dass man sie versteht und dass sie die Wahrheit verstehen. Doch dann führt sie Harry Potter vorsätzlich weg von der Quelle des LEBENS und der WAHRHEIT. Die Psychopathologie, die der Abtreibungsüberlebende aufweist, ist durchaus real. Sie bedarf des Verständnisses jener, die in der Neu-Evangelisation tätig sind. Wir brauchen jetzt Menschen, die heilig genug sind, um in den Schacht der Hölle hinabzusteigen, wo die Abtreibungsüberlebenden sich befinden, und ihnen das Licht zu bringen. Jesus Christus zu verkünden, ist eine Tat der Liebe, der Heilung und des Lebens. Es ist eine Tat der Barmherzigkeit.

(Dr. Marie Peeters-Ney, amerikanische Kinderärztin, arbeitete als Forscherin u. a. beim weltberühmten Genetiker Prof. Jerome Lejeune in Paris. Ihr Mann, Prof. Dr. Philip Ney, ist Kinderpsychiater und zählt zu den Pionieren in der klinischen Erforschung des PASS-Syndroms sowie des Zusammenhangs von Abtreibung und Kindesmissbrauch. Er ist durch zahlreiche Publikationen weltweit bekannt. – Vorliegender Artikel erschien erstmals in: Catholic Insight/December 2003)