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Wie hat sich die christliche Lehre über Empfängnisverhütung entwickelt?
Von Anfang an
Das Christentum hat seit seiner Gründung die Empfängnisverhütung allgemein verurteilt. Zu den frühen Kirchenvätern, die gegen Verhütung schrieben und sich aussprachen, zählen Athenagoras, der hl. Ambrosius, der hl. Augustinus Barnabas, der hl. Basilius der Große, Caesarius, Clemens von Alexandria, Ephraim der Syrer, Epiphanius, der hl. Hieronymus, der hl. Johannnes Chrysostomus, Hippolytus, Lactanius, Minucius Felix, Origenes von Alexandria, Tertullian und die Bischöfe, die beim Ersten Konzil von Nizäa versammelt waren.1
Als die verschiedenen protestantischen Konfessionen entstanden, verurteilten ihre Gründer und Führer die Verhütung ebenfalls, und zwar in sehr strengem Ton. John Calvin bezeichnete die Sünde der Verhütung als "verdammt" und "doppelt monströs" und Abtreibung als "ein unsühnbares Verbrechen". John Wesley sagte, daß Verhütung "für Gott sehr unerfreulich und der Beweis für schändliche Gefühle" sei. Martin Luther nannte jene, die Verhütungsmittel verwendeten, "Klötze" und "Schweine".2
Praktisch jeder Vorsteher jeder protestantischen Konfession verurteilte Verhütung ausdrücklich in Predigten und und Niederschriften. Dazu zählen unter anderen die Anglikaner Henry Alford, William Dodd, Joseph Hall, Richard Kidder, John Mayer, Simon Patrick, Arthur W. Pink, Thoman Scott, Jeremy Taylor, W. H. Griffith Thomas, James Usher und Christopher Wordsworth; die Calvinisten Jacob Alting, Robert S. Candlish, Franciscus Junius, Cotton Mather, Teunis Oldenburger, David Paraeus, Franklin P. Ramsay, Andre Rivet und Sebastian Schmidt; die Evangelikalen Keith Leroy Brooks und Thomas H. Leale; der Hugenotte Jean Mercier; die Lutheraner Johann Albrecht Bengel, Johannes Brunneman, Abraham Calovius, Conrad Dannhauer, Franz Delitszch, John H.C. Fritz, Johann Gerhard, Johann Karl Friedrich Keil, Paul Kretzmann, Theodore F.K. Laetsch, Herbert Carl Leupold, Walter Arthur Maier, Wolfgang Musculus, Johanes Olearius, Lukas Osiander und J. Heinrich Richter; die Methodisten Adam Clarke und Richard Watson; die Nonkonformisten Henry Ainsworth, Daniel Defoe, John Gill, Matthew Henry, George Hughes, William Jenkyn und Matthew Poole; die Presbyterianer John Brown, George Bush, Robert Dabny, Alfred Edershei und Melanchton W. Jacobus; sowie die Puritaner Richard Stock und John Trapp.2
Bis zum 14. August 1930 waren alle christlichen Kirchen einstimmig gegen künstliche Mittel zur Geburtsverhütung. Der erste Riß im Damm war jedoch die Resolution 15 der Konferenz des Anglikanischen Bishop Lambeth am 15. August 1930. So wie die "Härtefälle" verwendet wurden, um Abtreibung auf Verlangen durchzusetzen - und so wie sie heute verwendet werden, um Euthanasie auf Verlangen durchzusetzen - wurden sie vor 65 Jahren eingesetzt, um den Weg für einen einfachen Zugang zur Verhütung zu ebnen.
Der United States Federal Council of Churches (jetzt der National Council of Churches) hatte schon sehnsüchtig auf jemand anderen gewartet, der bei der "Modernisierung" der Meinung der Christen zur Schwangerschaftsverhütung die Initiative ergriffen hätte. März 1931 billigte er "die vorsichtige und zurückhaltende Verwendung von Verhütungsmitteln durch Eheleute", während gleichzeitig zugegeben wurde, daß "schwere Übel wie z.B. außerehelicher Geschlechtsverkehr durch das allgemeine Wissen um Verhütungsmittel gefördert werden könnten".
Interessanterweise hat sich sogar die weltliche Presse über die Haltung des FCC lustig gemacht. Zum Beispiel schrieb die Washington Post am 22. März 1931: "Der logische Schluß des Komiteeberichts, wenn er je ausgeführt werden sollte, würde den Tod für die Ehe als heilige Institution bedeuten, weil durch die Einführung erniedrigender Praktiken die willkürliche Sittenlosigkeit gefördert würde. Die Behauptung, daß die legale Verwendung von Verhütungsmitteln ‘vorsichtig und zurückhaltend’ sein würde, ist absurd.“
Natürlich hatte die Ausweitung der Verwendung von Verhütungsmitteln von den "Härtefällen" zu allen Fällen freie Bahn. Der National Council of Churches (NCC) verkündigte am 23. Februar 1961: " Die meisten protestantischen Kirchen halten Verhütung und regelmäßige Enthaltsamkeit für moralisch richtig, wenn die Motive in Ordnung sind.... Protestantische Christen kamen darin überein, daß Abtreibung oder jede andere Methode, die menschliches Leben zerstört, zu verurteilen ist, außer wenn die Gesundheit oder das Leben der Mutter in Gefahr ist."
Jetzt am Ende des 20. Jahrhunderts akzeptieren nun fast alle protestantischen Hauptkonfessionen (einschließlich Methodisten, Church of Christ, Episkopalkirche, Prespyterianer und Lutheraner) nicht nur die Verhütung, sondern auch die Abtreibung in fast allen Gründen. Ein heller Hoffnungsstrahl ist jedoch erschienen, da immer mehr Christen aller Konfessionen die Verbindungen zwischen Verhütung, Abtreibung, häufigem Partnerwechsel und Familienproblemen sehen.
Die Lehre der katholischen Kirche
Die Lehre der katholischen Kirche über Abtreibung und Verhütung könnte nicht eindeutiger sein. Nur jemand, der willentlich die Augen vor den Fakten verschließt, kann die lächerliche Behauptung machen, daß es "Raum für verschiedene Meinungen" über Abtreibung und künstliche Verhütung innerhalb der katholischen Kirche gäbe.
Die Kirche ist die Hüterin unserer Interpretation vom natürlichen Recht. Da uns das natürliche Recht von Gott gegeben wurde, hat die Kirche keine Autorität, seine fundamentalen moralischen Prinzipien zu ändern. Die Kirche klärt natürlich bestimmte Dinge im Licht neuen Wissens, aber die grundlegenden Prinzipien bleiben unverändert.
Die selbsternannten "katholischen" Abweichenden, die auf eine Änderung warten, werden bestimmt sehr lang warten.
Wenn Unterwanderung nicht gelingt...
Wenn die Unterwanderung und Untergrabung nicht gelingen, so werden die Abtreibungsbefürworter sicher nicht vor direktem Zwang oder Bestechung zurückscheuen.
Edouard Cardinal Gagnon, damals Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, enthüllte bei einem Vortrag am 27. Juni 1989 in Washington, D.C., daß dem Vatikan "einige Millionen Dollar" Bestechungsgeld geboten wurden, um die Lehre der Kirche über die künstliche Verhütung zu ändern, als der Vatikan das Thema in den späten 60er Jahren aufnahm. Die Kirche würde diese "Gabe" annehmen, würde sie nicht ihre Lehre in der Enzyklika Humanae Vitae öffentlich verkünden. Interessanterweise wurde das Bestechungsgeld vom pensionierten U.S. General William Draper geboten, der damals die International Planned Parenthood Federation (IPPF) leitete.3
Traurig aber wahr
Eine beliebte Anti-Life-Taktik ist die Zurschaustellung von Ergebnissen verschiedener Umfragen und Studien, die zeigen, daß ungefähr 80% der katholischen Paare Verhütungsmittel verwenden, oder daß ein hoher Prozentsatz aller Priester oder Theologieprofessoren ihre Verwendung unterstützen oder entschuldigen. Daher, so argumentieren sie, müsse es für Katholiken in Ordnung sein, Verhütungsmittel zu verwenden.
Traurigerweise ist es wahr, daß die meisten verheirateten Katholiken in den USA verhüten. Die umfangreichste Studie über die Gewohnheiten bezüglich Geburtenkontrolle der Katholiken in den USA war die 1988 veröffentlichte Survey of Family Growth (NSFG), die zeigte, daß von allen verheirateten katholischen Frauen:
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40% orale Verhütungsmittel verwenden;
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24% sich auf die Sterilisation des Mannes oder der Frau verlassen;
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8 % Sperr-Verhütungsmethoden, IUDs oder andere Methoden verwenden;
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24% keine Form der Fruchtbarkeitskontrolle verwenden, weil sie entweder unfruchtbar sind oder versuchen, schwanger zu werden; und
- nur 4% der verheirateten katholischen Frauen im gebärfähigen Alter die Methode der natürlichen Familienplanung (NFP) anwenden.4
Diese Umfrage zeigt, daß amerikanische Katholiken bedauerlicherweise nicht darüber Bescheid wissen, was die Kirche auf dem kritischen Gebiet der Sexualmoral lehrt. Es gibt sicherlich viele, die sehr wohl informiert sind, sie jedoch einfach die Haltung der Kirche ignorieren; aber man kann wahrheitsgemäß sagen, daß die meisten Katholiken der USA noch nie eine Verurteilung der Verhütung vom Predigtpult herunter gehört haben.
Unser Gewissen verwenden
Diejenigen, die von der Lehre der Kirche abweichen, was das Thema Sex betrifft, werden höchstwahrscheinlich behaupten, daß sie nur ihrem eigenen Gewissen folgen. Aber sie lassen einen wichtigen Teil der Gleichung aus: Es ist nur insofern richtig, seinem eigenen Gewissen zu folgen, wenn dieses Gewissen ausreichend geformt ist und die erlangten Schlüsse mit der Lehre der Kirche übereinstimmen.
Father John Courtney Murray, S.J., hauptsächlicher Verfasser der Erklärung über Religionsfreiheit vom Zweiten Vatikanischen Konzil, beschrieb, wie diese gefährliche Haltung zur moralischen Anarchie des Subjektivismus führen kann:
In der Erklärung [über Religionsfreiheit] ist das Recht auf freie Ausübung der Religion nicht auf der Basis der "Gewissensfreiheit" begründet. Diese Phrase kommt nirgends vor. Die Erklärung verleiht auch nirgendwo ihre Autorität der Theorie: für die diese Phrase oft steht - nämlich daß ich das Recht habe zu tun, was mir mein Gewissen sagt, einfach nur deshalb, weil mir mein Gewissen sagt, daß ich es tun soll. Das ist eine gefährliche Theorie. Ihre besondere Gefahr ist der Subjektivismus - die Vorstellung, daß es am Ende mein Gewissen und nicht die objektive Wahrheit ist, das bestimmt, was richtig und falsch, wahr oder unwahr ist.5
Die Meinung der Päpste
Der Papst lebt nicht in einem Vakuum, was viele Abweichende und anti-katholische Frömmler uns gerne einreden würden. Er ist sich mehr als irgendjemand anderer auf der ganzen Welt der von der Kirche abweichenden Strömungen und der Abtrünnigkeit vom Glauben in der katholischen Kirche von heute bewußt, weil er von einem Kreis der weltweit besten Praktikal- und Moraltheologen umgeben ist und weil er laufend genaue und vollständige Informationen über die Entwicklungen rund um den Erdball erhält.
Die Fragen, die Verhütung und Abtreibung betreffen, sind vielleicht jene, bei denen sich die Meinungen der Theologen am meisten spalten. Das sollte jedoch nicht so sein, da der Vatikan allein im 20. Jahrhundert mehr als 100 öffentliche Verurteilungen über diese Praktiken herausgegeben hat.
Von all den klaren Statements gegen Verhütung ist wahrscheinlich die maßgeblichste die von Papst Pius XI. in seiner großartigen Enzyklika Casti Connubii (4,4):
"Jedoch kann überhaupt kein Grund, nicht einmal der schwerwiegendste, bewirken, daß das, was innerlich wider die Natur ist, mit der Natur übereinstimmend und sittlich gut wird. Wenn aber der Akt der Ehe seiner Natur nach dazu bestimmt ist, Nachkommenschaft zu zeugen, so handeln diejenigen, die ihn bei seiner Ausübung vorsätzlich dieser natürlichen Kraft und Wirksamkeit berauben, wider die Natur und tun etwas Schändliches und innerlich Unsittliches. ... Um die Reinheit des Ehebundes von diesem schändlichen Makel unversehrt zu bewahren, erhebt [die katholische Kirche] zum Zeichen ihres göttlichen Auftrages durch Unseren Mund laut ihre Stimme und verkündet von neuem: jedweder Vollzug der Ehe, bei dessen Ausübung der Akt durch den Vorsatz der Menschen seiner natürlichen Kraft, Leben zu erzeugen, beraubt wird, bricht das Gesetz Gottes und der Natur, und diejenigen, die so etwas begehen, beflecken sich mit dem Makel einer schweren Schuld."
Die Lehre der Kirche hat sich nicht geändert. Am 12. November 1988 hielt Papst Johannes Paul II. den letzten Vortrag bei einem dreitägigen Treffen von 300 katholischen Moraltheologen in der Päpstlichen Lateran Universität, bei dem das zwanzigste Jubiläum von Humanae Vitae gefeiert wurde. Dort faßte er die Lehre der Kirche gegen die Geburtenkontrolle in einem einzigen Satz zusammen: "Keine persönlichen oder sozialen Umstände haben je oder können je solch einen Akt [Verhütung] rechtfertigen."
In dieser Rede machte der Papst unter anderem entschieden klar, daß das Verbot der Verhütung "vom katholischen Theologen nicht in Frage gestellt werden kann", was unter den Theologen der westlichen Welt, die einer anderen Meinung sind, große Bestürzung auslöste.6
1 Hl. Ambrosius, Bishof von Mailand (ca. 339-379), Hexameron, 5.18.58; Athenagoras von Athen, Brief an Marcus Aurelius im Jahr 177, Legatio pro Christians ("Bittschrift für die Christen"), S. 35; hl. Augustine, Bishof von Hippo (354-430), De Nupitius et Concupiscus ("Über Ehe und Begierde“), 1.17; Barnabas (ca. 70-138), Epistle, Band II, S. 19; hl. Basilius der Große, First Canonical Letter, Canon 2 (A.D. 374); Caesarius, Bishof von Arles (470-543), Sermons, 1.12; Clemens von Alexandria, "The Father of Theologians" (ca. 150-220), Christ the Educator, Band II, S. 10. Siehe auch Octavius, ca. 30, nn. 2-3; Ephraim der Syrer, De Timore Dei, S. 10; hl. Hieronymus, Letter to Eustochium, 22.13 (A.D. 396); hl. Johannes Chrysostomus, Homilies on Romans 24 (A.D. 391); Letter of Barnabas 19 (A.D. 74); Hippolytus, Refutation of All Heresies (A.D. 228); Lactantius, Divine Institutes 6:20 (A.D. 307); Minucius Felix, Octavius, 30 (A.D. 226); Origenes von Alexandria (185-254), Against Heresies, S. 9; Tertullian, Apology, 9:8 (A.D. 197), und The Soul, 25,27 (A.D.210).
2 Die Originalzitate sind zu finden in Charles Provan, The Bible and Birth Control, Monongahela, PA: Zimmer Press, 1989.
3 William Bole, "Cardinal Says Vatican Was Offered Bribe On Birth Control", The Wanderer, 13. Juli 1989, S. 8.
4 Umfrage des Alan Guttmacher Institure beschrieben im Catholic News Service, "Most Catholic Women Ignore Church-Accepted Form of Birth Control", The Portland, Oregon Catholic Sentinel, 24. Jänner 1992, S. 7.
5 Father John Courtney Murray, S.J., zitiert in Russel Shaw, "Answers", National Catholic Register, 13. September 1992, S. 4.
6 "Pope Warns Theologians not to Question Ban on Contraception", The Wanderer, 24. November 1988, S. 1.
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